Allianz pro Schiene startet Projekt zu Fahrerassistenzsystemen

Mit einer Fachtagung Mitte Mai in Berlin hat die Allianz pro Schiene ein Projekt gestartet, das die Akzeptanz in der Bahnbranche für den Einsatz von Fahrerassistenzsystemen im Personen- und Güterverkehr erhöhen soll. Fahrerassistenzsysteme berechnen in Schienenfahrzeugen eine energieoptimierte Fahrweise und geben den Triebfahrzeugführern entsprechende Empfehlungen. Das Verkehrsbündnis will den Verbreitungsgrad der Systeme erforschen sowie Hersteller und Bahnunternehmen miteinander ins Gespräch bringen. Das Projekt trägt den Namen „Fahr umweltbewusst“, wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit rund 125.000 Euro gefördert und läuft bis September 2018.

Übergeordnetes Ziel ist es, den Einsatz innovativer Umwelttechniken in der Bahnbranche zu fördern und so die Energiekosten des Verkehrsträgers Schiene zu senken. Die anwesenden Experten auf der Fachtagung sprachen in Bezug auf Fahrerassistenzsysteme von einem Einsparungspotential von bis zu 15 Prozent. Weitere Effekte sind mehr Pünktlichkeit und eine gesteigerte Kapazität des Netzes. Dennoch tut sich die Branche bislang schwer, diese Systeme einzusetzen. Ein wichtiger Grund hierfür hängt laut der Allianz pro Schiene mit den Kriterienkatalogen der Bestellerorganisationen des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) zusammen, die energiesparende Fahrweisen bei der Vergabe von SPNV-Leistungen in der Regel nicht berücksichtigen - obwohl etwa zwei Drittel des Energieverbrauchs der Schiene im Nahverkehr anfallen. Ein weiterer Grund ist die angespannte wirtschaftliche Situation im Schienengüterverkehr.
 
Auf der Fachtagung führten Hans Leister (Zukunftswerkstatt Schienenverkehr) sowie Serge Daems und Bob Rumé (beide Luxemburgische Eisenbahn) jeweils mit Impulsvorträgen in die Herausforderungen ein, vor denen die Eisenbahnen beim Einsatz von Fahrerassistenzsystemen stehen. Dabei wurde deutlich, dass neben technischen und organisatorischen Hürden vor allem die Belange der Lokführer selbst, aber auch der Betriebspersonale bis hin zu Eisenbahnbetriebsleitern, Betriebsräten und gewerkschaftlichen Interessenvertretern mitberücksichtigt werden müssen, wenn das Ziel erreicht werden soll, die Akzeptanz von Fahrerassistenzsystemen zu erhöhen.

Das Projekt „Fahr umweltbewusst“ wird begleitet von einer Steuerungsgruppe, die aus acht Unternehmen besteht, und einem Beirat mit Vertretern aus der Wissenschaft, den Gewerkschaften, der Politik, den Bahnverbänden und den Medien, die sich jeweils in regelmäßigen Abständen zu Workshops und Sitzungen treffen werden. Außerdem schafft die MRK Management Consultants GmbH eine fachliche Grundlage für das Projekt, indem das Unternehmen eine Marktrecherche erstellt, Experteninterviews führt und eine öffentliche Umfrage in der Bahnbranche organisiert.

Der Bahn Fachverlag ist als Mitglied in den Beirat berufen worden und wird das Projekt während seiner Laufzeit intensiv begleiten. (Stand 06/2107)

Unter dem aufmerksamen Blick Martin Luthers (links im Bild) in der Landesniederlassung von Sachsen-Anhalt in Berlin führte Dirk Flege in das Projekt „Fahr umweltbewusst“ ein.
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