Bahn bleibt erste Wahl im Fernverkehr

Obwohl rund 80 Prozent der Deutschen das eigene Auto nutzen, um weite Strecken zu bewältigen, sind Bahnen und Busse dafür die geeigneteren Verkehrsmittel – bezogen auf die Faktoren Zeit, Kosten und Umwelt. Das ist das zentrale Ergebnis des VCD Bahntests 2014/2015, den das Forschungsinstitut Quotas im Auftrag des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) im Dezember vergangenen Jahres vorgelegt hat.

Während die Fernlinienbusse zwar kostengünstig, aber häufig unpünktlich seien, überzeuge die Bahn vor allem „im Mix aus Kosten, Zeit und Umweltbilanz“, heißt es in einer VCD-Pressemitteilung. Im Vergleich Bahn-Fernbus seien 540 Verbindungen auf 10 ausgesuchten Strecken innerhalb Deutschlands mit dem Ergebnis getestet worden, dass der Bus in knapp 95 Prozent der Fälle  reiswerter als die Bahn gewesen sei. Jedoch behalte die Bahn die Nase vorn, wenn Zeit, Kosten und CO2-Ausstoß zusammen betrachtet würden. Das Auto hingegen sei auf sämtlichen ausgesuchten Strecken unter Berücksichtigung der Pkw-Vollkosten in keinem Falle das beste Verkehrsmittel gewesen.

Damit dies aber auch so bleibe, müsse die Bahn ihre bekannten Stärken weiter ausbauen: So sollten neben schnellen ICE-Verbindungen auch günstige IC/EC/IRE-Verbindungen angeboten werden. Außerdem sollten Internetzugänge via WLAN in allen Fernverkehrszügen eine Selbstverständlichkeit sein, sagte Heidi Tischmann.

Damit blieb die VCD-Verkehrspolitik-Referentin sogar hinter der jüngst von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt geäußerten Forderung zurück, kostenloses WLAN nicht nur – wie von der Deutschen Bahn für das kommende Jahr in Aussicht gestellt – in Fernverkehrszügen, sondern auch Regionalzügen und S-Bahnen anzubieten.

VCD-Bundesvorsitzender Michael Ziesak nahm das Ergebnis des Bahntests zum Anlass, „die Einführung einer leistungsabhängigen Maut für Busse und Pkw und damit von der Politik eine „Gleichbehandlung der Verkehrsträger“ zu fordern: „Obwohl die Bahn durch hohe Trassenpreise gegenüber dem Fernbus benachteiligt ist, bleibt sie die erste Wahl im Fernverkehr. Damit jedoch langfristig beide umweltverträglichen Verkehrsmittel attraktiv bleiben können, muss es endlich eine Gleichbehandlung der Verkehrsträger geben. Es kann nicht sein, dass Fernbusse komplett von einer Gebühr für die Abnutzung der Straßen befreit sind, während die Bahn und deren Kunden für immer höhere Trassenpreise aufkommen müssen“, sagte Ziesak.

Ebenfalls Bestandteil des Bahntests war eine repräsentative Befragung von insgesamt 2.178 Personen nach den Gründen ihrer Verkehrsmittelwahl: Demnach schätzen 77 Prozent der Befragten die geringen Kosten der Fernlinienbus-Anbieter, während die Verspätungen der größte Kritikpunkt war. Rund 50 Prozent der Befragten bevorzugen die Bahn aufgrund ihrer bequemen Reisebedingungen. Und 90 Prozent der Befragten schätzen das Auto wegen seiner flexiblen Nutzungsmöglichkeiten und der Möglichkeit, auch kleine Orte und unbekanntere Ziele problemlos erreichen zu können.

Hintergrund: Der ökologische Verkehrsclub VCD untersucht eigenen Angaben zufolge seit dem Jahr 2000, was die Menschen motivieren könnte, vermehrt Busse und Bahnen zu nutzen. Nachdem im Jahr 2013 die Freigabe des Fernlinienbusverkehrs eine neue Dynamik in den deutschen Verkehrsmarkt gebracht hat, wird im VCD Bahntest 2014/2015 ein besonderes Augenmerk auf den Fernlinienbus gelegt.

Für den aktuellen Test verglich Quotas im Auftrag des VCD Preise und Fahrzeiten zwischen den Verkehrsträgern Bahn, Bus und Auto auf zehn beliebten und häufig befahrenen Strecken innerhalb Deutschlands (zum Beispiel München – Nürnberg und Berlin – Hannover). Um eine ausgewogene Untersuchung zu gewährleisten, wurden für Bus und Bahn verschiedene Reisetypen und unterschiedliche Vorlaufzeiten bei der Ticketbuchung berücksichtigt.

Nutzer-Bewertung: 
0

Ähnliche Artikel

Mit seinem neuen Projekt „Gute Wege zur guten Arbeit“ setzt sich der ACE Autoclub Europa e.V. für eine intelligente Gestaltung von...

Göttingen, Oberursel und Murnau sind von der Allianz pro Schiene zu den Bahnhöfen des Jahres 2013 gekürt
worden. Das Bündnis zur...

In Dresden und im hessischen Hünfeld stehen die Bahnhöfe des Jahres 2014. Das hat die Allianz pro Schiene bekannt gegeben. Der gemeinnützige...