Deutsche Bahn baut Angebote für den Fernverkehr erheblich aus

Die Deutsche Bahn AG hat angekündigt, ihr Fernverkehrsangebot bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent auszubauen. Mit dieser dem eigenen Bekunden nach größten Kundenoffensive in der Geschichte des DB Fernverkehrs will der Konzern 50 Millionen zusätzliche Reisende pro Jahr gewinnen und „noch stärker als bisher gegen die Konkurrenz von Auto, Bus und Flugzeug punkten“. Dafür will die DB insgesamt 12 Milliarden Euro, vor allem für neue Zugflotten, investieren und 1.500 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die DB hat angekündigt, im Rahmen der Kundenoffensive sowohl ihr ICE- als auch ihr IC-Netz auf eine Länge von 162 Millionen Zugkilometern zu erweitern. Damit soll sichergestellt werden, dass in Zukunft zusätzliche 5 Millionen Einwohner in Deutschland Fernverkehrsangebote quasi vor der eigenen Haustür in Anspruch nehmen können.

150 Fahrten, die derzeit mit IC-Zügen stattfinden, werden den Angaben zufolge in das ICE-Netz integriert. Große Städte auf den wichtigen Nord-Süd- und West-Ost-Achsen des Landes sollen bis zu zwei ICE-Verbindungen pro Stunde erhalten. Hinzu kommen Taktverdichtungen im Fahrplan und Reisezeitverkürzungen aufgrund fertig gestellter Großbaustellen.

So werden Ende des laufenden Jahres weitere Abschnitte der Neubaustrecke VDE 8 (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit) zwischen Nürnberg und Berlin in Betrieb genommen und soll sich die Reisezeit zwischen München und Berlin ab 2018 um mehr als zwei Stunden auf unter vier Stunden verkürzen.

Um diese Pläne zu realisieren, investiert der DB-Konzern vor allem in seine Fahrzeugflotte: Im kommenden Jahr sollen den Angaben zufolge 17 neue ICE-Züge fertig gestellt sein und Ende des Jahres 2017 der Regelbetrieb der neuen ICx-Züge beginnen. Insgesamt soll die ICE-Flotte bis 2030 auf 360 Fahrzeuge anwachsen.

Auch ein verbesserter Komfort wird den Reisenden im ICE-Netz in Aussicht gestellt: Infotainment-Portale (ab September), kostenlose WLAN-Hotspots für die erste und zweite Klasse sowie – im Zuge der Einführung der ICx-Züge – die Mitnahme von Fahrrädern sollen „das Reiseerlebnis an Bord“ zukünftig verbessern.

Ausgeweitet wird auch das IC-Netz, für das insgesamt 120 Doppelstock-Züge angeschafft werden, die laut DB-Angaben bis 2030 die bisherigen IC-Reisezugwagen komplett ablösen sollen. Das Ziel ist es, „nahezu alle deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern“ alle zwei Stunden anzuschließen.

Neu oder erneut angefahrene IC-Halte sind den Angaben zufolge zum Beispiel Chemnitz, Cottbus und Siegen. Städte wie Dresden, Magdeburg, Rostock oder Schwerin erhalten demnach „deutlich verbesserte Fernverkehrsanschlüsse“, und 15 neue IC-Halte in Städten zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern (zum Beispiel Brandenburg, Tübingen und Wetzlar) sind ebenfalls Teil des neuen Fernverkehrskonzeptes.

Die DB hat weiterhin angekündigt, dass alle bestehenden BahnCard-Varianten bestehen bleiben sollen, inklusive der ermäßigten Preise für Partner, Studenten und Senioren. Noch im laufenden Jahr werden zudem „für die gesamte Bahn-Card-Familie“ Varianten mit dreimonatiger Laufzeit eingeführt. Außerdem sollen Sparpreise ab 2016 auch bis kurz vor der Abfahrt von IC- oder ICE-Zügen gelöst und automatische Sitzplatzreservierungen auf die zweite Klasse ausgeweitet werden. Hinzu kommen Sparpreise ab 19 Euro für Doppelstock-Fahrten auf dem IC-Netz.

Hintergrund: Im Jahr 2014 stellt die Deutsche Bahn mit 14 Millionen Fahrgästen zwar einen neuen Rekord auf, im Fernverkehr-Segment ging die Zahl der Fahrgäste aber im Vergleich zum Jahr 2013 um 1,5 Prozent zurück. Neben Streiks und den Unwettern im Frühjahr 2014 ist dies vor allem auf die neue Fernbus-Konkurrenz zurückzuführen: Diese hat den DB-Konzern allein im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 120 Millionen Euro gekostet. Auf diese Entwicklung hatte die DB zunächst mit der Ankündigung reagiert, ihr Fernbus-Angebot massiv auszubauen (Deine Bahn berichtete). Mit der Kundenoffensive folgt nun ein Strategiewechsel auch für den Fernverkehr. (Stand 04/2015)

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