Rail Leaders‘ Summit auf der InnoTrans 2014

Veränderte Kundenanforderungen an das Verkehrsmittel Bahn im digitalen Zeitalter standen beim Rail Leaders‘ Summit 2014 auf der Gesprächsagenda.

Die Podiumsdiskussion findet jeweils alle zwei Jahre im Rahmen der InnoTrans, der internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik, in Berlin statt und bringt sowohl Verkehrsminister und Staatssekretäre als auch Vorstandsvorsitzende von Eisenbahn- und Infrastrukturbetreibern zum Meinungsaustausch über die Entwicklungen im weltweiten Eisenbahnsektor zusammen.

Unter dem Motto „Die Schiene in einer vernetzten Welt“ lud die Deutsche Bahn AG zum diesjährigen Summit am 23. September gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ein.

Mit diesem Motto setze die Deutsche Bahn „weitere Impulse für einen vernetzten öffentlichen Verkehr und die Entwicklung der Mobilität 4.0“, sagte DB-Chef Dr. Rüdiger Grube.

Die Eröffnungsrede auf dem Summit hielt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der ein Hohelied auf die „Digitalisierung der Schiene“ anstimmte und betonte, dass es im Rahmen einer so genannten Mobilität 4.0 weniger auf die Konkurrenz unter den verschiedenen Verkehrsträgern ankomme, sondern auf eine produktive Zusammenarbeit: „In der Verkehrsträgervernetzung liegt eine neue Chance für Wachstum, Sicherheit und – trotz der Herausforderung Big Data – auch Datenschutz. Je mehr Vernetzung, desto besser“, sagte Dobrindt.

Die Keynote zur Veranstaltung lieferte Philipp Justus: Der Google-Deutschlandchef sieht beim Thema Mobilität im digitalen Zeitalter drei Schlüsseldimensionen, die in diesem Rahmen zwingend berücksichtigt werden sollten: Technologie, Produkte und die Wünsche der Kunden. Überhaupt hält Justus gerade auch im Mobilitätssektor die Kunden für den maßgeblichen Treiber technologischer Entwicklungen: So gehe der Trend von den „Mobiles“ zu den „Wearables“ – sprich: Nicht allein Handys, sondern generell die unterschiedlichsten technischen Geräte wie etwa intelligente Uhren oder Brillen werden in naher Zukunft im
Hosentaschenformat erhältlich und für die Verbraucher erschwinglich sein.

Das Internet werde in Zukunft also überall sein, und die Erwartungen der Kunden sei, dass diese Möglichkeit von den Unternehmen auch genutzt werde – in Form von einfach handhabbaren, digitalen Diensten, die unternehmens- und verkehrsträgerübergreifend informieren und agieren.

Das Digitale sei der Klebstoff für unterschiedliche Beförderungsmodi und für die von den Fahrgästen gewünschten Personalisierungen der Mobilitätsdienste: „Die Unternehmen sollten ihren Kunden in Zukunft die Informationen liefern, die sie brauchen, bevor sie danach fragen. Die Kunden verlangen danach“, sagte Justus.

Dass in der Befriedigung veränderter Kundenwünsche ein wichtiger Schlüssel für einen zukunftsfähigen Mobilitätssektor liegt, darin waren sich in der anschließenden Diskussion alle Beteiligten einig.

Dabei war das Podium im wahrsten Sinne des Wortes global besetzt: Neben Grube und Justus saßen dort Dr. Yeon Hye Choi (Vorsitzende von KORAIL, Südkorea), Vladimir Yakunin (Vorsitzender der Russischen Eisenbahnen RZD und Vorsitzender des Internationalen Eisenbahnverbandes UIC), Lucky Montana (Vorsitzender der Passenger Rail Agency PRASA, Südafrika), Mattar Al Tayer (Vorsitzender der Road & Transport Authority RTA, Dubai) und Patrick McLoughlin (Staatssekretär für Beförderung und Transport, England). Moderiert wurde die Veranstaltung von Karin Helmstaedt.

„Die Zufriedenheit unserer Kunden und die Personalisierung unserer Dienste und Angebote ist eine zentrale Aufgabe für die Zukunft. Denn hinter dem Stichwort Digitalisierung steht vor allem eine Veränderung im Kundenverhalten“, resümierte Dr. Rüdiger Grube am Schluss der Veranstaltung.

Die Deutsche Bahn AG habe sich fest vorgenommen, den Weg zum digitalen, verkehrsträgerübergreifenden Mobilitätsdienstleister konsequent weiter zu verfolgen – unter anderem einer der Gründe, warum die DB AG mit Google kooperiere. Wenn die Schienenbranche nicht aufpasse, würden irgendwann andere Unternehmen auf den digitalen Kommunikationskanälen den Kontakt zu den Kunden haben. Dies gelte es zu verhindern, sagte Grube.

Auf dem Podium (v.l.n.r.): Karin Helmstaedt, Vladimir Yakunin, Lucky Montana, Philipp Justus, Mattar Al Tayer, Dr. Yeon Hye Choi, Dr. Rüdiger Grube und Patrick McLoughlin
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