Studie: Geschäftsreisen werden intermodal und grün

Die Bedeutung des Bahnverkehrs für berufliches Reisen nimmt zu. Das ergab eine Expertenbefragung zur Zukunft der geschäftlichen Mobilität im Auftrag der DB. Demnach werden Angebote des öffentlichen Personenverkehrs in den kommenden zehn Jahren stärker, Firmenwagen dagegen weniger häufig genutzt werden. Auch Carsharing und intermodales, umweltfreundliches Reisen sind auf dem Vormarsch.

Für die im Februar diesen Jahres veröffentlichte Studie ließ die Deutsche Bahn insgesamt rund 100 Entscheider, Wissenschaftler und Unternehmer aus der Verkehrs- und Mobilitätsbranche zu den bis 2025 erwarteten Trends befragen. Die Experten sind sich weitgehend darin einig, dass die Zahl der Geschäftsreisen innerhalb Deutschlands, ungeachtet der immer vielfältigeren digitalen  Kommunikationsmöglichkeiten, in naher Zukunft kaum zurückgehen wird. Während derzeit noch Firmenwagen und Bahn bei den bevorzugten Reisemitteln in etwa gleichauf liegen (87 vs. 84 Prozent), erwarten zwei Drittel der Befragten, dass die Bedeutung des Firmenwagens abnimmt. 34 Prozent der Studienteilnehmer sehen in Carsharing-Angeboten, 20 Prozent in der Bahn bzw. dem Reisen mit Bahncard die größten Konkurrenten des Firmenwagens. Mit etwas Abstand folgen Mobilitätsketten, ÖPNV und Fernbus.

Zwar erwarten 8 von 10 der befragten Experten, dass sich Geschäftsreisende in Zukunft häufiger als bisher für ein Angebot des öffentlichen Nah- oder Fernverkehrs entscheiden werden. Wie oft sie das tun, hänge jedoch davon ab, wie gut die Infrastruktur im Umfeld der jeweiligen Firmensitze bzw.  Reiseziele ausgebaut ist. Intermodale Angebote mit einer Kombination verschiedener Verkehrsträger könnten der Studie zufolge eine Option für die Zukunft von Geschäftsreisen jenseits der urbanen Ballungszentren mit ihrem dichtem Nahverkehrsnetz sein. Dabei spielen Umweltaspekte eine immer größere Rolle, da grünes Reisen und die damit einhergehenden internen Richtlinien in absehbarer Zeit fester Bestandteil der Unternehmenskultur und Unternehmenspolitik sein werden.

Eine intermodale und umweltfreundliche Geschäftsreise könnte demnach in einigen Jahren so aussehen, dass ein Mitarbeiter seinen intermodalen Reiseweg mittels App plant, per Carsharing ein Elektroauto bucht, damit zum nächstgelegenen Bahnhof fährt, mit der Firmenbahncard eine Zugstrecke zurücklegt und am Zielort auf ein E-Bike zurückgreift, das in der Mobilitätsstation vorm Bahnhof bereit steht (siehe dazu die Beiträge zu vernetzter Mobilität und Digitalisierung in den Deine Bahn-Ausgaben Februar und März 2015). Den sich abzeichnenden Bedeutungsverlust des Firmenwagens und das veränderte Mobilitätsverhalten führen die Experten auch auf einen Einstellungs- und Wertewandel zurück, der unter anderem dazu führe, dass das Auto für die nachwachsende Generation von Beschäftigten nicht mehr im selben Maße als Statussymbol gilt, wie bislang in der Geschäftswelt und der Bevölkerung im Allgemeinen üblich.

Während die Digitalisierung zweifelsohne die Mobilität als Ganzes entscheidend beeinflusst, glaubt nur ein Viertel der Befragten, dass es deshalb weniger Geschäftsreisen geben wird. Stattdessen gehen die Experten davon aus, dass digitales Arbeiten während der Geschäftsreise unter dem Schlagwort mobiles Büro eine noch größere Rolle als bislang spielt. Möglichkeiten für sinnstiftende, produktive Tätigkeiten während der Reise sowie die besten Arbeitsbedingungen für mobile Businesskunden zu schaffen, sehen nahezu alle Teilnehmer der Studie als größte Herausforderung für Mobilitätsanbieter bis zum Jahr 2025 an. (Stand 04/2015)

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