20 Jahre HGV in Deutschland

Bereits 1985 bauten Ingenieure der Bahn und eines deutschen Industriekonsortiums den Prototyp des ICE, den InterCityExperimental, der 1988 mit 406,9 Kilometer pro Stunde (km/h) einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord für Schienenfahrzeuge aufstellte. Der später ICE V genannte Zug wurde noch mit zwei Triebköpfen elektrisch angetrieben, genau wie das erste Serienmodell, der ICE 1, der 1988 in die Produktion ging und seit 1991 auf deutschen Gleisen verkehrt. Seitdem ist der Zug immer weiterentwickelt worden. Der ICE der zweiten Generation (ICE 2) nahm erstmals 1996 den Betrieb auf. Mit jeweils nur einem Triebkopf und einem Steuerwagen an den Zugenden wurde er gegenüber dem ICE 1 deutlich verkürzt. Jeweils zwei dieser "Halbzüge" sind miteinander kuppelbar. Mit der Einführung dieses Zuges wurden erstmals auch ICE-Flügelzuglösungen praktiziert.

Ein ereignisreiches Jahr war 1998: Die Strecke Hannover - Berlin (236 km) ging mit einem 170 km langen Hochgeschwindigkeitsstreckenabschnitt in Betrieb. Damit verkürzte sich die Fahrzeit zwischen den beiden Städten von dreidreiviertel auf eindreiviertel Stunden. Mit dem ICE T wurde erstmals ein Fernverkehrszug mit Neigetechnik ausgeliefert. Diese Technik ermöglichte es, auf den bestehenden kurvenreichen Strecken schneller als mit den konventionellen Zügen zu fahren. Auch ging die internationale Strecke Paris - Brüssel - Köln mit dem Thalys in Betrieb. Die Fahrzeugtechnik basiert auf der Ausführung der französischen TGV-Triebzüge. Die Fahrzeit zwischen Brüssel und Paris reduzierte sich auf eine Stunde und 25 Minuten.

Seit 2000 ist nun die neueste Generation von Hochgeschwindigkeitszügen im Einsatz: Der ICE 3 - den es als ICE 3M auch in einer Mehrsystemvariante gibt - bringt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h Fahrgäste deutlich schneller ans Ziel. Im Jahre 2002 verkürzte sich durch die Inbetriebnahme der wichtigen Neubaustrecke Köln - Rhein/Main die Entfernung Köln - Frankfurt von 222 auf 177 km. Die Fahrzeit beträgt nur noch eineinviertel statt zweidreiviertel Stunden. Damit wurde erstmals in Deutschland der planmäßige Betrieb mit einer Geschwindigkeit von 300 km/h aufgenommen. Da diese Strecke Steigungen von bis zu 40 Prozent aufweist, wird sie ausschließlich von Hochgeschwindigkeitszügen ICE 3 genutzt.

Und das ICE-Netz wird weiter ausgebaut, zum Beispiel durch den Bau der Strecke Nürnberg - Erfurt - Halle/Leipzig und durch grenzüberschreitende Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Aktuell werden 15 Züge der Baureihe 407 gebaut, die 2012 in Betrieb gehen werden und unter anderem auch nach Paris und London fahren sollen.